Ein Sommerabend…

Ein Sonntagabend in Berlin. Die Sonne scheint auf den Balkon, während die Spatzen sich aufs Geländer setzen, in der Hoffnung auf dem Balkon noch Nachschub zum Abendessen zu finden. Tropfen bilden sich am Glasrand der eiskalten Weinschorle, die von den Händen zweier inzwischen langjährigen Freundinnen gehalten werden.

10 Jahre trennen die Beiden vom Alter und doch ähneln sich so einige ihrer Lebenswege und zum Glück kreuzten sie sich irgendwann, so dass wir viele glückliche und viele traurige Momente teilen konnten. Unsere Töchter sind seit den ersten Kindergartentagen eng befreundet und so haben auch wir im Leben der anderen immer einen Platz.

So saßen wir also dort auf diesem von der Sonne gewärmten Balkon im gemütlichen Prenzlberg und redeten über die letzen Tage und Wochen. Erst zwei Wochen zuvor haben wir über 6 Stunden ohne Punkt und Komma gesprochen, aber wie das Leben so will – in unser beider Leben ist tatsächlich in genau diesen zwei Wochen wieder so viel passiert, dass wir beide neuen Austausch dringend nötig hatten. Denn zuvor hatten wir erschreckend festgestellt: wenn der (Alltags-)Stress überhand nimmt, reagieren wir beide mit Isolation.

Jeder ist zu müde, zu k.o. für Gesellschaft. Fast schon zu anstrengend erscheint es, irgendwohin zu fahren. Meist wird es später und man hört das gemeine Weckerklingeln schon bevor man überhaupt das Haus verlassen hat…

Und wenn man sich doch aufgerafft hat? Dann hat man zu 99,9% einen super angenehmen Abend! Mit viel Lachern, mit noch mehr Worten, mit neuen Ansichten, auch mal mit vielen Schimpfwörtern, weil man sich unbesorgt mal auslassen kann. Jeder dieser Abende endet also immer schön! Ja und auch absolut müde am nächsten Morgen! Aber es hat sich doch immer gelohnt!

Heute habe ich auf Insta gelesen, wie eine junge Mama traurig, oder eher entsetzt war, weil sie zurecht gewiesen wurde, da sie Vollzeit arbeitet und ihre Tochter in den Kindergarten geht.

Und da fiel mir wieder auf – wie wichtig es doch ist, sich abends eben mit diesen Freundinnen zu treffen. Menschen, die Dich verstehen! Menschen, die ähnliches erlebt haben. Menschen, die Dich nicht verurteilen, weil Du lebst, wie Du eben lebst. Es ist so wichtig, dass gerade wir Frauen uns so viel mehr unterstützen.

Immer wieder erlebe ich, dass auch ich mich rechtfertigen oder erklären muss. Wegen meiner Scheidung; wegen der Art, wie wir die Kinderbetreuung regeln; dass ich zu viel arbeite; dass ich überhaupt arbeite; dass ich zu wenig arbeite; dass ich nicht immer glücklich bin, obwohl die „äußeren Umstände“ doch super sind. Manchmal sogar wegen meinen Ordnungssinns, wegen meiner Erziehungsansichten, auch wegen meiner Ernährung, auch was und wie ich via Instagram teile.

Und ehrlich: Ja, klar, könnte ich das alles an mir abprallen lassen und ja, es ist mein Leben und nur dafür trage ich die Verantwortung. Und nochmal ja, klar, könnte und muss es mir egal sein, was andere darüber denken. Aber das ist es eben nicht und ich wünschte mir mehr Verständnis zwischen uns Frauen, zwischen uns Mamas!

Ich bin nun mal nicht der Typ Frau, der den halben Tag glücklich über die Blumenwiese hüpft. Ich wäre es tatsächlich gern, aber ich bin‘s nicht.

Hören wir also auf, zu bewerten, zu kritisieren und lasst uns mehr sommerliche Abende mit Weinschorle in der Hand verbringen und uns so ein paar kurze lustige, spannende und dringend nötige Auszeiten verschaffen!

Viele Grüße aus der Hauptstadt!

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