Unvergessliche Geburten und ihre Folgen

Babys werden oft erst richtig wahr genommen, wenn sie geboren sind, oder? Vor der Geburt sind sie im Bauch gut geschützt und im Normalfall fehlt es ihnen dort an nichts.

Unsere Generation hat sich so gut auf die Geburt(en) unserer Kinder vorbereitet, dass wir durchaus wissen, dass eine Geburt auch für unseren Liebling eine wirklich stressige Situation ist. Aber – und das ist wichtig – diese Stresssituation kann ein Baby gut verkraften, wenn darauf eine innige Zeit der Nähe folgt. Wenn die Geburt komplizierter ist und wenn das kleine Wesen danach immer weiter in Stresssituationen verharrt, wirkt sich das bis ins Erwachsenenalter aus. Wusste ich tatsächlich bisher nicht. Ich ging immer davon aus, dass das Babygehirn das alles wieder vergisst. Ich jedenfalls kann mich nicht an meine eigene Geburt erinnern. Tatsächlich aber speichert das Hirn dieses Erlebnis schon klar ab!

Soweit so gut. Damit beginnt die heutige Gedankenwolke. Gestern hatte ich in einem langen Gespräch quasi eine Art Erkenntnis über mein Sein.

Seit ich bewusst denken kann, umgibt mich eine innerliche Einsamkeit. Egal, wer um mich ist, ich fühle mich oft allein und bin auf der Suche nach Nähe. Nach echter Nähe, nach Gesehen werden. In Freundschaften hat das oft nicht geklappt, auch Beziehungen litten darunter. Aus Angst verletzt zu werden und nicht die Nähe zu erhalten, die ich mir wünsche,schalte ich oft in den Fluchtmodus bzw. einen Funktionsmodus, woraus selbstverständlich wieder Einsamkeit resultiert.

Ich dachte bisher, so bin ich eben, wer weiß schon warum.

Inzwischen weiß ich, dass mein Verhalten eine Bindungsstörung ist, mit allem was lehrbuchmäßig dazu gehört. Ich? Ne Bindungsstörung? Das hatte ich so nicht gedacht. Damit allein könnt ich wohl schon Seiten an Gedanken und Gefühlen füllen.

Was aber interessant ist und damit schließt sich der Kreis zum Beginn meiner Gedankenwolke: Meine Geburt war eher schwierig, mit Sauerstoffverlust und einer Zangengeburt. Das alleine reicht schon, um viele Folgen für eine Kinder- und später Erwachsenenseele zu erklären.

Wie etwa oft das Gefühl, dass meine Grenzen verletzt werden. Oder häufig das Gefühl, von meinem Umfeld zu Handeln gezwungen zu werden und ich fühle mich außerordentlich schnell unter Druck gesetzt. Daher habe ich mir einen hohen Grad an Organisation angeeignet. Darin bin ich nahezu perfekt. Ich handle, wie ich denke, dass es erwartet wird – um einem etwaigen Druck von außen zu minimieren.

Migräne oder Kopfschmerzen gehören zu meinem Alltag.

Interessant, dass alles irgendwie zusammen hängt, oder?

Wenn es nicht um mich gehen würde, fände ich tatsächlich spannender. So ist es ab und an etwas gruselig und so richtig weiß ich noch nicht, wie ich mit allem umgehe.

Denn nicht nur die Geburt war nicht einfach, auch die Zeit als frischer Säugling. Wusstest Du, dass der Stresspegel eines Babys dem einer Todesangst gleicht, wenn es sein Schreien nicht durch Nähe beruhigt wird? Dass sich durch wiederholte Momente, in denen das Nähebedürfnis nicht befriedigt wird, Gehirnstrukturen ändern können? Angsstörungen und Depressionen können die Folgen sein.

Nun, ich war als Baby oft allein. Zuerst mit nur 10 Tagen…ganze 3 Stunden… und dann immer wieder. Hart zu lesen, oder? Meine Kinder sind fast 11, 7 und 4 Jahre alt und maximal 5min allein, wenn ich den Müll rausbringe.

Versteh mich nicht miss, ich mache meinen Eltern keine Vorwürfe. Es war keine Böswilligkeit. Eher Unwissenheit, denke ich. „Das Baby schläft ja.“ – war wohl der Gedanke dahinter.

Die Konsequenz aus all dem begleitet mich nun aber im Jetzt. Vielleicht lerne ich mit diesen Erkenntnissen umzugehen, vielleicht auch nicht. Vielleicht werde ich ewig mit meinem Schicksal hadern, vielleicht kann ich irgendwann kraftvoll zurück schauen.

Was ich aber ganz sicher weiß, ist, dass ich meinen Kindern seit jeher alle Nähe gebe, die ich geben kann und unbewusst genau das Gegenteil gemacht habe (und noch mache), von dem was ich erlebt habe. Meine Drei haben gefühlt das erste Jahr an mir gelebt. Ich hab sie viel in der Trage gehabt, bei allen möglichen Aktivitäten.

Nähe ist das Wichtigste, was wir einander schenken können. Ob Kindern, Freunden oder ebenso in der Liebe.

Ich glaube und hoffe, man kann gewisse Regionen im Hirn wieder heilen oder zumindest die Struktur, die sich da festgesetzt hat, lindern. Also werde ich mal auf Suche gehen, welche Möglichkeiten es gibt, meinem inneren Kind die Nähe und Zuwendung zu geben, die es gebraucht hätte, um ein selbstsicheres Wesen zu werden!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s