Das Wort, äh viele Worte zum Donnerstag

Wenn Du mir schon eine Weile bei Instagram oder auch hier über meinen Blog folgst, dann hast Du es sicherlich verstanden: Ich bin eine Frau, die irgendwie ständig auf der Suche ist. Ich hab oft das Gefühl, ich will zu viel vom Leben. Die Zeit des Lebens erscheint mir zu kurz und ich will möglichst alle Möglichkeiten ausschöpfen, die diese kurze Zeit zu bieten hat. Grundsätzlich ist das doch nichts Schlechtes, oder?

Das, was das Problem an dieser Sache ist, man findet keine Ruhe. Also ich finde keine Ruhe. Weil ich den lieben langen Dank beschäftigt bin, meine oder andere Probleme zu lösen, weil ich meterlange To-Do-Listen abarbeite und weil ich auf der Suche bin, nach dem ultimativen Superglück. Schwachsinn, denkst Du jetzt? Superglück, als ob es das gibt!

Ja, da magst Du nicht unrecht haben! Aber interpretiert nicht jeder von uns sein eigenes Superglück anders? Und – ist die Frage danach, ob sich diese Definition nicht ändern darf, durchaus berechtigt?

Wie entwickelt sich denn ein jeder von uns, so ganz im Normalfall?

Also, ich war eine von den Abiturientinnen, die nicht sofort wusste, welchen Weg sie nun einschlägt. Alle, um mich begannen an zu studieren, gingen ins Ausland oder begannen eine Ausbildung. Und ich? Ich jobbte erstmal n Jahr – weil ich gern Medizin studieren wollte, aber nicht konnte, da der NC damals nicht in Reichweite lag. Seit ich 15Jahre alt bin, liebe ich die Fotografie, also war das Naheliegenste, dass ich mich zur Fotografin ausbilden lasse. Im Jahr 2000 ein gefühltes Ding der Unmöglichkeit. Es gab ungelogen in Berlin vielleicht 5 Ausbildungsstellen – da ich aber noch kein Profi war, sondern eben ne Ausbildungsstelle suche, bekam ich keine. Denn aus mir unerklärlichen Gründen musst Du als Azubi irgendwie schon ein Profi sein.

Schlussendlich hatte ich die Wahl zwischen zwei Kompromissen. Ich hatte plötzlich zwei Ausbildungsverträge im Angebot: Arzthelferin in einer Kinderarztpraxis oder Mediengestalterin. Ich wählte die Mediengestalterin und bin heut noch nicht sicher, ob das der richtige Weg war. Die soziale Ader liegt mir schon sehr und ich hätte unter Umständen in der medizinischen Richtung eher mein berufliches Glück gefunden. War es also die “falsche” Entscheidung?

Mein damaliger Freund und ich zogen nach dem Abitur direkt zusammen, nur 4 Jahre später, mit süßen 23 Jahren heirateten wir – ohne zu wissen, dass der Weg der Ehe zwar wunderschön, aber auch steinig sein kann und wir vielleicht zu jung waren, um miteinander zu wachsen.

Ich merkte während und nach meiner Ausbildung sehr schnell – ich will mehr! Mehr Eigenständigkeit, mehr Autarkie, mehr Leben – also sattelte ich komplett um. Machte eine neue Ausbildung als Hand- und Fußpflegerin und eröffnete mein eigenes Kosmetikstudio. Mein eigener Laden! Ich hab es geliebt! Die Kunden, das Gefühl, Deinen Rollladen morgens hochzufahren, die Tür zu öffnen und den Großteil furchtbar lieber Menschen um Dich zu haben, die nach einiger Zeit und monatlichem Wiederkommen ja sowas wie Freundinnen und Bekannte wurden. Ich war meine eigene Chefin! Lernte viel und gab viel und war tatsächlich auch erfolgreich. War ich angekommen im Glück?

Ja, tatsächlich schon! Ich hatte fast immer 10h-Arbeitstage, meist 6 Tage die Woche – aber ich war ehrlich glücklich damit!

Der Vollständigkeit und der Ehrlichkeit halber – es gab durchaus auch Kundinnen, deren Geschichten ich nicht immer hören wollte und ich das Gefühl hatte, ich bin eher die kostengünstige Therapeutin. Aber nichtsdestotrotz hat mir das ganze Projekt wirklich Spaß gemacht. Wenn die Selbstständigkeit funktioniert, ist das eine super Sache, um beruflich erfüllt zu sein!

Die Jahre vergingen und wir bekamen unsere erste Zaubermaus, bauten klischeehaft das Traumhaus am Stadtrand (Und wer es noch aus alten Instagramzeiten kennt – es war wirklich ein Traum! Ich liebte dieses Haus!) und das Prinzenkind kündigte sich an. Und nach 7 Jahren Selbstständigkeit, musste ich eingestehen, dass Dienstleistung und Kinder schlecht zusammen funktionieren… Also löste ich kurz vor der Geburt meines Sohnes den Laden schweren Herzens auf.

War das schon wieder eine Fehlentscheidung? Etwas aufzugeben, was Spaß machte?

Nun, ich war tatsächlich ziemlich k.o. zu dem Zeitpunkt und ich freute mich auch auf ein bisschen “Elternzeit”. Die gab es bei der Großen ja gar nicht. Damals habe ich exakt bis 3 Tage vor ihrer Geburt gearbeitet und 4 Wochen danach ging es auch wieder los. Selbst und ständig eben.

Und als mein wunderhübscher Sohn dann auf der Welt war und ich die ersten drei Monate genoss, wurde ich wieder unruhig. Ohne Arbeit? Arbeiten nicht alle Frauen? Und bin ich die supertoughe Mutter, die immer was zu tun haben muss – der Entspannung (leider) ein Fremdwort ist?

Also dauerte es nicht lange und mein Hirn ratterte wieder: Ein Job, in dem ich selbstständig arbeiten kann und Familie mit unter einen Hut bekomme, ohne viel Nebenkosten! Was kann ich gut und was möchte ich machen? Lange Rede kurzer Sinn: Ich eröffnete einen DawandaShop und verkaufte individuelle Holzdeko. Großartig. Den ganzen Tag werkeln und meine Kunden liebten meine Produkte. Ich machte Ehepaare mit ihren Namen glücklich, Mamis mit Geburtssternen, sogar Annemarie Warnkross bestellte für ihre Hochzeit mit Wayne Carpendale Schriftzüge als Hochzeitsdeko.

Mir fehlte jedoch die Zeit, mit zwei kleinen Kindern, mehr als 30h die Woche zu arbeiten und so den Gewinn zu steigern. Ich wurde leider auch nicht reich damit – aber mein Herz brannte vor Freude. Fast jedes Mal, wenn ich ein neues Produkt in meinen Shop laden konnte und noch mehr, wenn ich es verschickte und die liebsten Nachrichten von den Kunden zurück bekam.

Nebenbei eröffnete ich mit einer Freundin zusammen einen zweiten Onlineshop, in dem wir Holzpuppenhäuser individuell herstellten und einrichteten – wunderschöne Stücke! Wunderschön! Aber auch hier fehlte die Zeit, das komplett umzusetzen. Jeder von uns hatte zwei kleine Kinder… Naja, Du ahnst, wie unser Zeitkontigent war…

Beruflich war ich also vollkommen glücklich? Na ja, vom “Tun” her schon, aber es war schon eine riesige Organisation. Aus zwei Kindern wurden dann drei und das machte den Job nicht einfacher, wenngleich die Drei so unglaublich zauberhaft sind, dass ihre Kulleraugen (und dieses süße erste zahnlose Lächeln) mich viel entschädigt haben.

Und neben dem Job und den Kindern? Mh… Unsere Ehe wurde wegen vieler kleiner und großer Probleme schwieriger und irgendwann stand da eben ein Ende da. Mit Großbuchstaben. Haus verkauft, Jobwechsel zurück in ein Angestelltenverhältnis und neue Wege.

Was folgte? Eine neue Suche. Wer bin ich überhaupt? Was will ich vom Leben? Welchen Weg muss und darf ich jetzt gehen? Wo ist das Glück, wo und wie finde ich die ersehnte Ruhe?

Genau da befinde ich mich irgendwie noch immer: Nun sind 3,5 Jahre seid meinem Ehe-Aus vergangen. Und nach meiner (ersten!) eigenen kleinen Wohnung, wohnen wir nun zu fünft mit meinem Herzmann zusammen. Denn ja – mein Liebesglück habe ich gefunden. Schöner könnte mein Herz nicht gehalten werden!

Aber die Suche nach dem ultimativen Glück, das Hetzen durch die Zeit, um ja nichts zu verpassen vom Leben, die berufliche Erfüllung…  Das alles geht weiter. Mein Hirn steht kaum still, weil sich viele Ideen um Lösungen und Umsetzung streiten.

Ich haben letztens einen sehr passenden Spruch gelesen.

In der Ruhe liegt das Glück.

Wie genau finde ich jetzt diese Ruhe?

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