Tipps an die Vergangenheit

Am letzten Wochenende haben wir darüber sinniert, wie schnell die Zeit vergeht, die Kinder groß werden und das Leben sich ändert. Wir haben viel erlebt, Gutes und weniger Gutes. Inzwischen sind wir bald 40, zumindest schon sehr nah dran, und auch wenn mein Sohnemann mir nahezu täglich versichert, ich sähe aus wie 25, lässt sich die Zeit ja nicht wegreden. (Aber Du verstehst, warum er mein Prinz ist, oder? ;-))

Ich lag an diesem Wochenende in unserem wunderschönen Schlafzimmer (ich liebe diesen Raum wirklich!), unter unseren riesigen weißen Decke und das Sonnenlicht schien durchs Fenster, als mir in den Sinn kam – ich bin also bald 38 Jahre alt. Wie wird das Leben wohl in 10 Jahren sein? Wo werden wir leben? Wie werden wir leben? Was hat das Leben noch mit uns vor? Wird Ruhe einkehren?

Dann beobachtete ich die Wolken, wie sich mehr und mehr an der Sonne vorbeischoben…und ich dachte: Wie werde ich wohl meinen 40. Geburtstag feiern? Laut oder eher leise? Party oder eher Wochenendtrip mit meinem Liebsten? Bin ich dann wieder verheiratet?

Wie war der letzte runde Geburtstag? Erinnerst Du Dich noch an Deinen?

Ich weiß noch alles genau! An meinem 30. Geburtstag war ich exakt in der 13. Woche mit dem Prinzenkind schwanger. Nach der Fehlgeburt davor war ich sehr ängstlich und auch wenn ich weiß, dass 12+0 keine Garantie ist, habe ich dieses 12+0 tatsächlich sehnsüchtig erwartet. Wir saßen mit den engsten Freunden im Restaurant und ich verkündete die frohe Nachricht.

30 Jahre.

Verheiratet mit meiner Schulliebe, die dritte Schwangerschaft, ein Haus am Stadtrand und erfolgreich mit meinem Kosmetikstudio.

Ich hätte damals im Leben nicht gedacht, dass mein Leben 8 Jahre später völlig anders ist. Geschieden, 4 Schwangerschaften und drei tolle Kinder später, schreibe ich nun in unserer wunderschönen Berliner Altbauwohnung, in dem das Sofa auf dem Originalparkett von 1927 steht.

Der Mann an meiner Seite ist nun seit 19 Jahren mein bester Freund und im Leben hätte ich nie erwartet, dass wir mal mehr sind, als genau das. Aber genau macht das Leben ja aus, oder?

Dass es anders kommt, als erwartet.

Ich lese oft, man soll keine Entscheidungen bereuen, die man getroffen hat. Dass Erfahrungen uns formen und uns ausmachen. Das stimmt mit großer Sicherheit und tatsächlich ist es nicht so, dass ich Dinge konkret bereue. Ich denke nur, ich hätte vielleicht in der Vergangenheit mehr auf mein Herz hören sollen…

Was würde ich also meinem 30-Jährigen Ich raten?

Liebes jüngeres Ich,

Du hast die letzten 10 Jahre auf der Schnellstraße gelebt. Früh geheiratet, die Selbstständigkeit, Kinder und Haus. Manche erleben das alles in einem ganzen Leben. Bei Dir läuft der Turbogang. Du triffst Entscheidungen, die Du für richtig hältst. Aber oft sind es Entscheidungen, die Du denkst, fällen zu müssen, um anderen zu entsprechen. Andere Erwartungen zu füllen. Ein Bild von Dir zu bedienen. Viel zu selten öffnest Du Dein Herz für Dich selber und achtest auf Dich. Hab den Mut dazu! Du bist es wert, gesehen zu werden. Mach Dich frei von dem, was Du denkst, sein zu müssen. Sei einfach DU selbst. Halte inne und atme!

Wenn ich so darüber nachdenke und diese Worte lese, könnte ich sie mir so ähnlich immer noch schreiben. Auch jetzt noch rase ich durch das Leben, mit dem Wunsch anzukommen. Auch wenn ich nicht so recht weiß, was dieses „Ankommen“ eigentlich bedeutet. Menschen um mich herum erwähnen das oft. Dass sie angekommen sein. Ich vermute, mein Weg wird noch lang sein, bis ich das auch sagen kann. Aber vielleicht ist das gar nicht schlimm. Vielleicht muss ich keinem Ideal hinterherlaufen. Vielleicht kann ich einfach sein, wie ich bin. Auch wenn ich eben nicht den ganzen Tag auf Blumenwiesen umherspringe, dann ist das eben so. Bin ich weniger wert, weil ich mehr hinterfrage? Bin ich anstrengender, weil ich nicht in jeder Sekunde glückselig bin?

Nein, bin ich nicht. Denn so ist das Leben. Mein Leben.

Ich wünsche mir in 10 Jahren zurückschauen zu können und festzustellen, dass die letzten 10 Jahren vielleicht nicht immer einfach, aber ereignisreich waren. Ich wünsche mir, dass ich mehr auf mich gehört habe. Und mehr Mut hatte. Ich wünsche mir wirklich mehr Mut und mehr Kraft, Dinge anzugehen, die wichtig für mich sind.

Was würdest Du Deinem jüngeren Ich raten? Gibt es Entscheidungen, die Du vielleicht ändern würdest, nicht ungeschehen, aber dennoch anders angehen würdest?

Da, wo Du jetzt gerade bist und das liest – ist alles genauso, wie es sein soll? Wenn ja, großartig! Wenn nein, auch nicht schlimm!

Denn wir Menschen haben ja zum Glück die Fähigkeit, entscheiden zu können. Wenn das Leben gerade nicht ist, wie es sein soll, dann entscheiden wir, es so werden zu lassen, wie es sein soll. Das geht meist nicht von heute auf morgen, aber es geht.

Versprochen!

 

 

 

 

 

 

3 Kommentare zu „Tipps an die Vergangenheit

  1. „Ankommen“! Wo(für)? Das ICH ist für mICH kein Zustand, sondern ein fließender Prozess. „Ankommen“ ist für wen noch mal erstrebenswert? Für Dein „jüngeres“ Ich oder für Dein „zukünftiges“ Ich? Oder weder noch? „Ankommen“ ist für mICH ein Maßstab, den nur Du an Dein Leben anlegen kannst… aber eben nicht musst. Du klingst für mICH im Flow. Wie findet Dein „zukünftiges“ Ich das? Ankommen oder Flow? LG 🙂

    Gefällt mir

    1. Hallo Kai, vielen Dank für Dein Kommentar. Mir scheint nur, als hättest Du meine Gedanken nicht richtig gelesen oder falsch verstanden. Wenn Du selbst mit Dir im fortlaufenden, fließenden Prozess ist, ist das ok und absolut nachvollziehbar. Andere wiederum wissen schon recht früh, wer sie sind und was sie wollen und bleiben daher über Jahre ohne Prozess. Welche Maßstab Du selbst für ein „Ankommen“ legst, ist selbstverständlich auch Dir überlassen. Ich suche eben noch, was genau dieses Ankommen für mich bedeutet. Was bedeutet „im Flow“ sein für Dich? Ich strebe nach einem Punkt im Leben, an dem ich nicht mehr nonstop in Bewegung sein muss. Beruflich gern, aber sonst eher nicht. Da würde ich tatsächlich gern ankommen und so sagen können: Hier und jetzt bin ich vollkommen zufrieden mit allem. Viele Grüße!

      Gefällt mir

      1. Bitte missverstehe mICH nicht: Wenn Du „ankommen“ willst, dann ist das doch genau das, was Dir wichtig ist – perfekt! Du schreibst „…an dem ich nicht mehr nonstop in Bewegung sein muss.“ Wer oder was zwingt Dich in Bewegung zu sein? ICH bin überzeugt, dass Du die Antwort kennst. Und damit auch, wer Dich daran hindert, anzukommen. Um Deine Frage zu beantworten: Flow heißt für mICH, angekommen zu sein und zwar in seinem Leben! LG

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s