Komm, wir bauen einen Brunnen

In der letzten Woche hatte ich das Glück in Hamburg ein Seminar besuchen zu dürfen. Das war beruflich auch interessant, aber vor allem waren es die spannenden Begegnungen mit anderen Menschen, die so einige Gedanken freisetzten.

Es ist kein Geheimnis für Dich, als mein Leser, dass ich auf der Suche bin. Nach dem Sinn, dem Weg, nach mir und vor allem nach dem Glück, der inneren Zufriedenheit. Seit Februar 2017 musste ich mich mit einer Diagnose auseinandersetzen, die mir wahnsinnig schwerfällt. Mein Körper reagiert zunehmend mehr darauf, dass ich diese Diagnose wegschiebe und versuche zu ignorieren. Und meine Vernunft schreit mich schon unentwegt an, dass ich nun endlich was ändern soll!

Kennst Du das? Ich bin ganz sicher, Du kennst das!

Dieses Wissen, das man unbedingt in die andere Richtung laufen muss, sich umdrehen, neue Wege suchen, aber irgendwas blockt. Irgendjemand oder irgendetwas hält Dein Bein fest und so sehr Du auch kämpfst und dran zerrst, das Bein steckt fest im Morast und Du sinkst ein.

Leider ist das Leben tatsächlich weder Wunschkonzert, noch Ponyhof und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich eben nichts von heut auf morgen ändern lässt. Sei es aus Existenzgründen oder anderen Verpflichtungen. Deutlich ausgedrückt: Wenn das Leben ein Wunschkonzert wäre, würde ich meine Herzkinder und meinen Liebsten schnappen, mich in den Flieger setzen und mir in einem Häuschen am Stadtrand von Sydney ein neues Leben aufbauen (gut, ein Häuschen auf Rügen mit Meer vor der Tür täte es auch!). So leicht geht das aber nicht. Der Papa der Drei fände es sicher nicht wirklich applauswürdig und mein Konto fände eine Jobkündigung auch nicht so sinnvoll.

In diesem erwähnten Seminar lernte ich eine Frau kennen, die 9 Jahre älter als ich war. Kinderlos und relativ gut verdienend. Das waren die zwei Sachen (sicher noch mehr, aber um die zwei geht’s), die wir nicht gemeinsam hatten. Sonst überschnitt sich aber einiges. Das Rastlose, das Suchende, der Wunsch nach mehr Anerkennung, für das, was wir im Job leisten. Irgendwann sagte sie, sie hatte schon den Gedanken, zu kündigen und eine Zeit nach Afrika zu gehen, um dort einen Brunnen zu bauen! Ich dachte und sagte: „Großartig! Sammle all Deinen Mut und mach das! Wir haben alle nur dieses eine kurze Leben. Ein Einziges. Verschwende es nicht an die falschen Menschen und an selbst auferlegte Verantwortlichkeiten.“

Abends im Bett musste ich darüber länger nachdenken. Wie viele Dinge und Menschen gibt es, die wir uns selbst auferlegen? Wie oft hat jeder von uns den Gedanken „Ich will das so nicht mehr!“?

Ohne Frage, vielleicht denkst Du, ich bin jetzt theatralisch, aber ganz sicher gibt es auch einige, die sich so fühlen, wie ich… Die verstehen können, dass dieser Sumpf, aus dem man sich freikämpfen will, aber nicht kann, enorm frustrierend sein kann.

Und jetzt sag ich Dir was: Komm, wir bauen einen Brunnen!

Ich will aus diesem Sumpf raus und ich beschließe jetzt und heute, ich habe die Kraft dazu! Ohne Ausreden, wenn auch mit langem Weg und Frust. Aber es funktioniert, weil ich es will.

2015 habe ich bewusst gemerkt, ich bin nicht mehr glücklich in meiner Ehe. Es würde jetzt den Artikelrahmen sprengen, Dir das genauer zu erzählen, warum, weshalb wieso, was aber wichtig ist: 2015 habe ich gedacht, es gibt keinen Weg, aus diesem Ehekonstrukt finanziell und emotional existenziell zu fliehen. Ich war mir ganz sicher, das geht alles gar nicht. Entweder würde ich meine Kinder komplett verlieren oder meine Existenz, weil ich mein Leben nicht allein finanzieren kann.

Und wo stehe ich im Jahr 2018? Nur mit der Kraft meines Willens? Ich bin geschieden, habe meine Kinder bei mir, lebe in einer schönen Wohnung mit meinem besten Freund als wundervollen Partner an meiner Seite!

Es hat funktioniert! Ich habe den Brunnen gebaut!

Also pack ich das noch mal! Diese vorhin erwähnte Diagnose wird mich mein Leben lang begleiten, wie ein Hund mit dem ich Dauer-Gassi gehe. Er wird immer an der Leine neben mir laufen, aber dieser Hund wird nicht meine Hoffnung auffressen. Ich werde die Dinge annehmen, die Baustellen in meinem Leben. Aber ich werde nicht aufgeben. Ich habe einen Brunnen in Sachen Liebe und Wohnen gebaut und das pack ich nochmal.

Fallen Dir auch Dinge ein, die Dich festhalten und nicht weitergehen lassen? Der frustrierende Job, eine unglückliche Liebe oder eine erschreckende Diagnose?

Setz Dich nicht unter Druck. Neue Wege zu gehen ist schwer und das darf es auch sein. Lass Dir nicht von anderen ein Tempo aufdrücken. Schieb die Worte weg „Mach doch jetzt einfach!“, „Dir geht es doch gut!“, „Du bist so undankbar!“ „Du bist immer so negativ!“ – schiebt es einfach weg! Sammel stattdessen Mut und Kraft und sammel die Steine Stück für Stück!

Wir bauen nämlich jetzt einen Brunnen!

 

 

 

 

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