Sind Pendelkinder schlechter dran?

Nach meinem letzten Artikel erreichten mich viele Gedanken und Nachrichten von Euch zum Thema Wechselmodell. Viele haben ein ganz anderes Modell nach der Trennung und einige leben im gleichen Konstrukt wie wir. Also habe ich mal ein wenig mehr recherchiert und mich mit dem Leben der Pendelkinder und ihrer Eltern beschäftigt.

Ganz ehrlich? Ich bin tatsächlich schockiert, was in der großen weiten Welt so zwischen Eltern und Kindern passiert und wie viel Mütter und Väter das offenbar Wichtigste in ihrer Trennung vergessen haben: das Wohl ihrer Kinder! Denn erschreckend groß ist die Zahl derer, die ihr Kind oder ihre Kinder für sich komplett allein beanspruchen. Da werden den Vätern böse Absichten unterstellt und den Müttern plötzlich fehlende Fürsorge. Zum Leidwesen der Kinder.

Natürlich spreche ich hier tatsächlich von den „normalen“ Fällen. Mir ist durchaus bewusst, dass es Elternteile gibt, die in der Tat nicht die Pflicht in ihrem Elterndasein sehen und sich nicht dafür interessieren, was ihr Kind tut oder eben nicht tut.

Aber die Kinder, die ihre Eltern beide lieben, die Mama und Papa um sich haben möchten – warum wird ihnen zugemutet, nur bei einem von beiden zu leben und sich so Streitigkeiten zwischen ihren Eltern anzuhören? Laut, aggressiv und ab und an niveaulos.

Warum meinen Psychologen entscheiden zu dürfen, dass Pendelkinder schlechter dran sind? Und warum verunsichern die gleichen Psychologen, wir Eltern wären egoistisch, weil wir unseren Kindern nicht nur eine Basis, nein gleich zwei bieten?

Damit werden Eltern und Kindern Möglichkeiten genommen und immer dieses Gefühl, man macht etwas verkehrt.

Ich sag Euch was ich in den letzten 3 Jahren nach dieser Trennung gelernt habe, so hart es klingt: wie Ihr es macht, macht Ihr es verkehrt und gleichzeitig richtig.

Durch die Entscheidung, dass eine Beziehung oder eine Ehe nicht mehr funktioniert, ist ein Familienkonstrukt gebrochen. Unwiderruflich kaputt und zerstört. Ich kann ehrlich sagen: darunter leide ich noch immer – den Kindern ihr Bullerbü genommen zu haben.

Aber kann man als getrenntes Paar nicht gleichwertige Eltern bleiben? Haben meine Kinder nicht das Recht darauf mit Mama und Papa groß zu werden? Welche Logik steckt dahinter bei Mama zu wohnen und den Papa jedes 2. Wochenende zu sehen oder andersherum? Warum ist das besser für Kinder, als jeden eine Woche lang für sich zu haben?

Ich möchte Euch gern Mut machen, wenn Ihr unsicher seid, welches Modell das Richtige für Euch ist oder Ihr überlegt, das Wechselmodell einzugehen. Redet mit Euren Kindern, fragt sie nach Ihren Gedanken und Ängsten. Sicher ist es wichtig für eine wechselseitige Aufteilung, dass Ihr als Eltern noch halbwegs miteinander kommunizieren könnt. Das ist nicht immer leicht und wird Euch eventuell noch einige graue Haare wachsen lassen.

Es gibt Tage, da möchte ich auch nur schreien!

Aber dann schaue ich diese drei wunderhübschen Kinder an und weiß, sie lieben ihren Papa, und zwar nicht nur ein Wochenende im Monat. Niemals werde ich das unterbinden oder gar nicht gutheißen. Sie werden ihre Erfahrungen machen, sie werden an unterschiedlichen Ansichten wachsen, sie werden ihre eigenen Entscheidungen irgendwann treffen und sie werden hoffentlich immer glücklich sein, uns beide gehabt zu haben, als sie groß wurden.

Egal, wie wütend Ihr auf Euer Gegenüber seid, denkt daran, dass es einen Moment gegeben haben muss, in dem das anders war und in dem Eure Kinder entstanden sind. Und genau die sind es, die vorgeben sollten, wo und wie sie leben möchten.  Solange keine ernsthafte Kindeswohlgefährdung vorliegt, lass den Ärger am Ex bei Deinen Freundinnen raus und schenk den Kindern das, was sie am meisten brauchen. Liebevolle Eltern, die immer für sie da sind!

Eins sei noch erwähnt: Für welches Modell Ihr Euch als Familie nach einer Trennung auch entscheidet, hört auf Euren Bauch. Die große Welt da draußen wird Eure Entscheidung hinterfragen und kritisieren, welche auch immer Ihr fällt. Macht das, was sich für Euch und vor allem für Eure Kinder gut anfühlt. Nicht das, was die „anderen“ für richtig halten.

Ich bin gespannt auf Eure Gedanken!

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