Gibt es eine gerechte Kinderaufteilung nach einer Trennung?

Mich erreichten einige Fragen zu unserem Familienmodell nach der Trennung. Ich hätte mir in der Vergangenheit und tatsächlich auch jetzt noch oft jemanden gewünscht, der ähnliche Erfahrungen hat und mir etwas von seiner Geschichte erzählen kann. Also will ich Euch erzählen, wie es hier so ist, mit diesem Wechselmodell.

Als wir noch ein Ehepaar waren, war der Papa der Kinder wirklich viel arbeiten. Also nicht einfach „nur“ Vollzeit, sondern wirklich viel. Manchmal acht Tage am Stück, um dann nur zum Schlafen heim zu kommen und wieder zum Dienst zu müssen. Das heißt, seit der Geburt unserer 1. Tochter habe ich in Teilzeit gearbeitet. Meist so um die 30h/Woche und war sehr eng mit meinen Kindern. Sie lebten quasi alle an und auf mir. Außer, wenn Papa zu Hause war, dann war der lustige, grenzenlose (im Sinne von regelfreiere) Spaß garantiert. Was mir in der Ehe oft schwerfiel anzunehmen, denn ich bin ein Freund von bestimmten Regeln und Grenzen, aber gut. Er war nicht so oft da und irgendwie akzeptiert man vieles, so lange die Kinder glücklich sind.

Plötzlich aber war da dieses Ding, was da stand wie die chinesische Mauer. Groß, imposant und auch Angst machend.

Die Trennung und damit die Frage: Wie geht’s denn jetzt mit den Kindern weiter?

Mein Ex-Mann liebt seine Kinder sehr, auf andere Art als ich, aber mir war klar, dass er mir die Kinder nie ganz lassen würde. Ein Wochenend-Vater zu sein, käme für ihn nicht infrage. Durch einige andere unschöne Dinge in unserer Trennungsgeschichte und Wortwechsel, versichere ich Euch – zum Wohl meiner Kinder hätte ich das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht nie eingeklagt. Es wäre vermutlich hässlich geworden.

Eines Morgens lag ich mit meiner Großen im Bett und sie erzählte mir, sie hätte bei Kika gesehen, dass ein Mädchen eine Woche bei Papa und eine Woche bei Mama wohnt. Das fände sie toll und möchte das auch, wenn wir ausziehen! So wurde die Idee geboren, die ich großartig fand. Es erschien mir logisch, fair und das Beste für alle.

So ist es nun also schon seit langer Zeit. Jeden Sonntagnachmittag wechseln die Kinder von Mama zu Papa und umgekehrt. Für die Kinder ist das super. Sie erzählen mir oft, wie toll sie es finden, zwei Kinderzimmer zu haben, zweimal quasi Geburtstag (wir feiern schon noch zusammen, aber jeder feiert zu Hause nochmal ein wenig nach), zweimal Ostern und endlich Papa, der viel mehr da ist. Der sich plötzlich ebenso um fehlende Sommerhüte und Winterjacken kümmern muss, der sich den Elternabend auch freimachen muss und „seine“ Woche organisieren muss. Wie er das tut und welche Gedanken ich zu seinem Erziehungsstil habe und wie sehr ich Fanta, Pommes, Playstation kritisch hinterfrage, steht auf einem anderen Blatt.

Mütter mit „normalen“ Familienmodell können sich das kaum vorstellen und leider auch nicht nachempfinden. Wie sich das anfühlt, wenn jemand mit deinen Kindern eine Woche lang „verschwindet“. Eine Woche lang, in denen du Teile ihres Lebens irgendwie verpasst. Die Fahrradprüfung, die Mathearbeit oder den Kita-Ausflug – ich erfahre es zeitversetzt. Deswegen ist mir der Sonntag heilig, an dem sie wieder nach Hause kommen.

Andere Mütter sagen mir oft, wie toll das sein muss, so eine kinderfreie Woche. In der man quasi wieder wie ein Single lebt. Theoretisch tun und lassen kann, was man will und ausschlafen und überhaupt… Ich mag nicht abstreiten, dass es garantiert Mütter gibt, die das genauso empfinden und das ist ganz wundervoll. Weil sie dem Ex-Mann vertrauen, weil sie sich nicht einreden, irgendwelche Müttererwartungen an sich selbst nicht zu erfüllen.

Ich hingegen fühle mich in diesen kinderfreien Wochen wie beschnitten, wie amputiert. Es fehlt etwas. Jemand fehlt… (und an ausschlafen ist bei meinem gestörten Schlafrhythmus nun echt nicht zu denken, nur mal so zwischendurch). Aber mein Anspruch als Mutter ist, mit oberster Priorität, das Glück meiner Kinder. Sie haben den 1.Platz in meinem Leben und ich richte alles, wirklich alles, nach ihrem Wohlbefinden aus. Das kann man auch kritisieren, durchaus. Aber es ist eben mein Anspruch, mein ganz persönlicher. Wenn meine drei durch dieses Wechselmodell also endlich einen Papa haben, der da ist, der sich um Alltagssachen genauso kümmern muss und wenn meine drei Herzkinder glücklich mit der Situation sind – was sollten wir daran ändern?

Wenn man dieses Modell der Familie eingeht, muss einem bewusst sein, dass es als Mama (vielleicht auch als Papa, aber ich kann ja jetzt nur von meiner Perspektive schreiben) nicht leicht wird. Es tut weh, vieles erscheint einem unfair und es wird Tränen geben und ich kann ehrlich sagen, für mich selbst ist das Modell nicht schön. Ich vermisse die Kinder regelmäßig zwei Stunden, nachdem sie wieder bei ihrem Vater sind… Ich mag es nicht.

Aber was wäre die Lösung?

Dass ich eröffne, ich möchte die Kinder immer bei mir? Dass ich vor Gericht gehe und meinen Kindern Gespräche mit Psychologen auferlege, in denen sie sich zwischen Mama und Papa entscheiden müssten? Dass sie Zeugen werden von sich bekämpfenden Eltern, die sich vermutlich irgendwann auch vor den Kindern anschreien? Wie könnte ich ihnen das antun?

Das ist nicht mein Recht und nicht meine Aufgabe.

Meine Aufgabe ist es, sie großzuziehen, ihnen Werte mitzugeben, sie glücklich zu machen. Das ist meine Pflicht als ihre Mama. Und ja – ich verzweifle oft daran! Mache ich es richtig? Sollte ich lockerer sein? Oder besser strenger? Sollte ich noch mehr Gemüse auf den Tisch packen? Oder mehr Süßigkeiten durchgehen lassen? Und führe ich alle Gespräche auf Augenhöhe? Werde ich jemals diese Schuld verlieren, meinen Kindern das klassische Familienkonstrukt genommen zu haben?

Ich weiß es nicht… Aber ich weiß, dass für Kinder Mama und Papa gleich wichtig sind und keiner hat das Recht zu sagen, ich beanspruche meine Kinder komplett für mich.

Mein Fazit also?

Man muss sich bewusst sein, dass es im Fall einer Trennung keine optimale Lösung gibt, weil irgendjemand immer ein wenig mehr oder weniger leiden wird – aber für Kinder ist dieses Wechselmodell wirklich eine gute Sache, wenn es funktioniert. Ihr müsst Euch vielleicht selbst ein wenig zurücknehmen und die Gedanken der Kinder an oberste Stelle schieben. Auch wenn es schwerfällt… Kinder wollen (fast) immer beide Elternteile. Mama UND Papa.

Welche Folgen dieses Wechselmodell in Hinsicht auf Erziehung und Alltag hat, erzähle ich Euch gern in einem weiteren Artikel, wenn Ihr mögt. Schreibt mir einfach eure Fragen und Anregungen. Ich freu mich darauf!

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