Die Sache mit der Suche

Vor langer, wirklich langer Zeit gab es ein Mädchen, dass die Worte liebte…geschriebene, nachdenkliche, traurige, liebevolle, unterstützende und vor allem viele, so richtig viele!
Und erst Gedanken – sie schieben, in Schubladen stecken, aus Kisten wieder herausholen, verdrängen, sie sich bewusstmachen und diese Gedanken analysieren und ordnen. Was liegt also näher, als diese unendlich vielen Stränge, die sich da durch ihren Kopf ziehen zu verschriftlichen?

Sie schrieb und schrieb… und hörte irgendwann auf – das Mädchen wurde eine Frau und der Alltag hat ihren Stift aufgefressen.

Umso mehr freute ich mich, als Sina (hier findet ihr diesen und weitere Artikel auf ihrem Blog) mich fragte, ob ich ab und an Gastbeiträge für ihren Blog schreiben wollen würde – und ich sagte spontan ja! Zu lange schon wünsche ich mir wieder mehr mit Worten zu jonglieren und meine Welt nach außen zu tragen. Um zu ermutigen, aber auch um selbst zu lernen.
So ziemlich jeder von uns schaut so gern in die Köpfe anderer, oder?
Um sich zu vergleichen? – Vielleicht…
Um seine Neugier zu befriedigen? – Vielleicht…
Um aus anderen Erfahrungen zu lernen? – Vielleicht auch das…

Wer ich eigentlich bin?

Ich bin eine 37-jährige (also der Vollständigkeit halber – das bleibt unter uns! Offiziell bin ich ewig so um die 26…) geschiedene Dreifachmama, die von Riesenhaus mit Garten und Pool in eine winzige Dachgeschosshöhle mit ihren Kindern gezogen ist, um jetzt mit einer neuen Liebe das (vorläufige) Wohnglück in einer Berliner Altbauwohnung zu genießen.
Meine drei Herzkinder sind 10, 6 und fast 4 Jahre alt und so schwanke ich tagtäglich zwischen Vorpubertät und Trotzphase. Gleichzeitig versuche ich mich selbst zu finden und überlege fieberhaft – wann das wohl geschehen wird?

Mit 40? Ist das das magische Alter? Steht man mit 40 als Frau im Leben, über den Dingen und weiß, wohin man will? Ich hatte gehofft, das passiert schon mit 30!

Also mit 37 weiß ich gefühlt nichts. Ich fühle mich eher wie ewig 25. Manchmal stehe ich bei H&M und denke – kann man das mit Ende dreißig überhaupt noch anziehen? Sein wir ehrlich, wir wollen alle ewig wie Anfang 30 aussehen. Die Carrie Bradshaw – all day long! Nur, dass mir diese Tüllröcke einfach nicht stehen und Louboutins nicht zu meinem Kontostand passen. Dazu sind auch Schokospuren von Kinderhänden auf einer (nicht existenten) Prada nicht passend. Wenn ich nicht Carrie sein kann – wer bin ich dann?

Einfach Ich? Ja, ich verstehe, was ihr meint. Selbstliebe und so… Das neue Mantra aller Frauen. Aber wenn ich doch gar nicht genau weiß, wer ich bin – wie kann ich das ‚Ich‘ lieben und wie finde ich das raus, wie dieses ‚Ich‘ ist?

Vor meiner Scheidung war ich gefühlt 98% Mutter. Versteht mich nicht falsch, ich liebe diese drei so sehr, aber ich bin ja irgendwie auch noch da, oder? Nach der Trennung musste ich mich also neu kreieren. Erst stürzte ich mich in die Arbeit, pausenlos. Arbeit-Kinder, Kinder-Arbeit und wieder von vorn. Bis ich Stück für Stück im Abgrund landete und ich kann Euch versichern, das „Da-raus-kämpfen“ ist ziemlich schwer und anstrengend und ich wünschte, ich hätte dabei wenigstens Designer-High-Heels an!
Ich mein‘ , gut aussehen während man sich mit seinem Selbst abrackert wäre doch was!

Vor kurzem sprach ich mit einer anderen Mama (Gott sei Dank! Sind diese ehrlichen(!) Gespräche zwischen Müttern nicht Gold wert?). Unsere großen Mädels sind seit Kindergartentagen befreundet und somit auch wir und sie ist eine der wenigen Freundinnen in meinem Umfeld, die mir auch schon nachmittags ne Weinschorle anbietet – weil sie in meinem Blick sieht, dass das jetzt echt nötig ist. Während unsere Mädels also beim Balletttraining waren, saßen wir auf ihrem Balkon und sinnierten über das Mama-Dasein, wenn man auch noch Frau sein möchte. Sie ist gut 10 Jahre älter als ich, ebenfalls recht frisch geschieden und überhaupt sind wir uns recht ähnlich.
Sie sagte, der Trick zu wissen, wer man ist, ist mit sich im Reinen zu sein und die Wut auf sich, andere und diverse Situationen in der Vergangenheit zu beenden. Zu verzeihen. Verzeihen sei das große Zauberwort…

Verzeihen…

Allein darüber könnte ich bestimmt 5 Artikel schreiben.
Könnt Ihr gut verzeihen? Ich meine nicht diese Kleinigkeiten im Alltag. Ich meine die Situationen, die Narben auf Eurer Seele hinterlassen haben. Diese Verhaltensweisen anderer, die Euch klein und nichtig gefühlt haben lassen.

Puh… Wenn das der Trick ist, habe ich noch einen weiten, sehr weiten Weg vor mir!

Habt Ihr Lust mich zu begleiten?

Viele Grüße

Sylke

2 Kommentare zu „Die Sache mit der Suche

  1. Also ich muss sagen,
    ich war neugierig!

    Sehr neugierig, denn ich bin via Instagram auf dich gestoßen. Noch im Riesenhaus mit Pool und Garten. So von Fern hab ich deinen Weg weiter verfolgt. mal mehr, mal weniger intensiv. Wie das eben so ist in den sozialen Medien.
    Aber dein Weg gefällt mir! Sehr sogar und das, obwohl ich ganz bestimmt nicht in deine Zielgruppe passe, denn ich bin glücklich verheiratet, mit Kindern, die älter sind als deine und wohne (leider) auch nicht mehr in Berlin.
    Aber du hast eine sehr inspirierende Art zu schreiben, so dass ich nun gleich alle Artikel gelesen habe und gespannt bin auf weitere, die noch kommen.

    Von mir (selbst übrigens Scheidungs“kind“ mit 20) jedenfalls ein großes Kompliment zu deinem neu geschlüpften Blog.

    Ganz liebe Grüße
    Irina

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    1. Hallo Irina! Vielen lieben Dank für Deine motivierenden und lieben Worte. Ich muss gestehen, ich hab gar kein konkrete Zielgruppe. Jeder, der neugierig ist und/oder Motivation für sich selber aus meinen Texten zieht, ist meine Zielgruppe. Jeder von uns kennt das doch, dass man sich ab und an mit seinen Gedanken allein fühlt. Dem ist aber nicht so. Und dann tuts oft gut zu wissen, andere müssen da auch durch 🙂 Ich freu mich, wenn Du meine Artikel so gern magst, wie ich! Ganz liebe Grüße
      Sylke

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