Der Grenzübergang

Neulich saß ich bei meiner Freundin und erklärte selbstbewusst, dass ich das schon alles hinkriege, während sie mich darauf hinwies, endlich mal die Warp-Geschwindigkeit aus meinem Leben zu nehmen und dass ich mir dringend Entschleunigung eingestehen muss.
Ich bin wirklich an den meisten Tagen überzeugt, dass mein Funktionsmodus gut funktioniert. An anderen zweifle ich und hinterfrage und fluche, weil um mich herum scheinbar alle anderen ihr Leben mit Leichtigkeit meistern. Und dann hörte ich den Satz – der mich zum Nachdenken brachte:

„Das Leben ist ja auch leichter, wenn man seine Komfortzone nicht verlässt“

Plötzlich wurde mir einiges klar. Die Frauen, die ich bewunderte, um ihre Leichtigkeit beneidete oder auch um ihren Egoismus, sich um sich selbst zu kümmern liefen vor meinem geistigen Auge auf und ab…und ja, es stimmte. Keine von ihnen hat ihre gewählte Komfortzone verlassen. Jede blieb in ihrem Kreis, betrat nie die Welt außerhalb ihrer eigenen Grenzen.
Das kann man kritisieren oder bewundern – je nach Tagesform.

Es ist ja nicht so, als planen einige von uns das Leben so, wie es gelaufen ist, oder? Ich denke, so ganz grundsätzlich ist der Plan von uns, einfach nur glücklich zu werden, dafür geht man leider auch n paar Umwege. Absichtlich und unabsichtlich.
Wie definiert Ihr Glück? Wovon macht Ihr es abhängig? Ist der Gang über die Grenze der Komfortzone notwendig, um das Leben zu schätzen? Um das Glück zu schätzen?

Wisst Ihr, wie meine gedachte Komfortzone noch vor 5 Jahren war? Es waren diese Tage, die ich mit den Kindern (da waren es noch zwei) im Garten verbrachte, nachdem ich für meinen DaWanda-Shop gearbeitet und mich gefreut habe, wenn die Kunden mir schrieben, wie schön sie meine Produkte finden. Oft saß ich auf der Terrasse mit meinem Kaffee und Kinderlachen um mich und war überzeugt, dass ich da angekommen bin – in der besten Komfortzone und tatsächlich hatte ich nicht vor, diese zu verlassen.
Wenn da nicht dieses Pieksen im Herz immer größer geworden wäre. Diese Erkenntnis, dass mein Herz nicht so glücklich ist, wie diese Gartenmomente es hatten scheinen lassen. Erst ganz klein, wie eine Pusteblumeblüte… Im Laufe der Zeit ist dieser Erkenntnis zur Größe eines Riesen-Monstera-Blattes gewachsen.
Und irgendwann reichte der Terrassenmoment nicht mehr aus. Ich musste die Grenze verlassen, um mir das Glück zuzugestehen. Das klingt jetzt, als wäre es ganz einfach gewesen. Schwups Grenzübergang durchschritten und alles war super. Nein… Es zog sich wochenlang, monatelang…eine gefühlte Ewigkeit.

Aber ich versichere Euch, es lohnt sich!

Übersteigt Eure Grenzen! Seid mutig! Wagt den Kampf. Geht raus und holt Euch Euer Leben (zurück).
Ganz ehrlich, natürlich wird es anstrengend und kräftezehrend und es wird Momente geben, in denen der Kampf sinnlos erscheinen mag. Sammelt Eure ganze Energie. Schaut Euch im Spiegel an und seid stolz auf das, was Ihr im Leben schafft. Ob im Job, als Freundin, als Ehefrau und vor allem als Mama. Und dann geht rüber-geht über die Grenze in das (scheinbar) gefährliche Land.

Das Leben ist zu kurz, um nicht über die Trennungslinie zu gehen.

Werft die Angst ab, wie es sein wird, im neuen Land. Werft die Angst ab, es nicht allein schaffen zu können. Ihr schafft das nämlich!
Nach langem Kampf mit mir selbst und dem Leben und ja, ich gebe natürlich zu, dass ich immer noch mit kleinen und großen Schwierigkeiten umgehen muss, kann ich ganz ehrlich sagen: Das Verlassen meiner Komfortzone hat sich definitiv gelohnt!

Viele Grüße

Sylke

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